Es gibt Tage, an denen die Welt stillzustehen scheint – und doch verrinnt sie zwischen den Fingern wie Sand. Nicht weil sie sich bewegt, sondern weil ich selbst keinen Halt finde in ihr. Heidegger nannte dies das Verfallen an das Man, jenes Sich-Verlieren an das Unwesentliche, das mich von mir selbst entfernt.
Heute spüre ich den Ruf des Eigenen – aber er klingt leise. Die Stimme des Alltags, der Termine, der Gewohnheit spricht lauter. Und doch bleibt eine leise Unruhe: Bin ich noch bei mir – oder nur funktionales Echo fremder Erwartungen?
Vielleicht genügt heute nicht mehr als ein kurzer Blick nach innen, ein stilles Innehalten, ein unmerkliches Noch-Sein. Dann beginnt Mitsein wieder möglich zu werden – nicht als Pflicht, sondern als Ahnung von Wahrheit.
„Die Renovierung ist fast abgeschlossen – das Außen wird klarer, doch im Inneren entstehen neue Räume. M. C. Escher bleibt mein heimlicher Begleiter: der Meister der unmöglichen Perspektiven, des ewigen Dazwischen. Wie Thomas Nagel’s Blick von Nirgendwo – ein Standpunkt ohne festen Stand, ein Sehen, das sich selbst mitmeint. Ich frage mich: Was wäre Vollendung ohne Verschiebung?“
Thomas Nagel – „Der Blick von Nirgendwo“
„Die Herausforderung besteht darin, subjektive und objektive Perspektive gleichzeitig auszuhalten – ohne dass eine die andere verschlingt.“
Heute wird renoviert – in Räumen und vielleicht auch in mir.
Aber warum bleibt da dieses schlechte Gewissen,
wenn ich etwas nur für mich tue?“
🪞 Zwischen Tun und Dürfen
Etwas in mir verlangt immer nach Rechtfertigung.
Als müsste jedes Tun ein Opfer bringen, jedem Genuss ein Nutzen folgen.
Doch wer hat mir das beigebracht?
Wer hat Schuld gepflanzt in den Moment der Selbstfürsorge?
🧠 Resonanz mit Denkerstimmen
Sartre: „Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt.“ → Vielleicht ist dieses Schuldgefühl die Angst vor der radikalen Freiheit, einfach zu wählen – für mich. C.G. Jung: „Was nicht ins Bewusstsein kommt, wird Schicksal.“ → Vielleicht spricht hier der Schatten der Pflichterfüllung – der ungehörte Ruf nach Erlaubnis. Heidegger: „Das Eigentliche beginnt da, wo man sich selbst zuhört.“ → Heute ist ein Tag, an dem ich das Eigene tue – nicht das, was von mir erwartet wird.
„Lichtung ist das Freigeben des Seins, damit das Seiende erscheinen kann.“
In diesem Sinne wird dein Schreibtisch zur Lichtung: nicht Ort der Arbeit, sondern Stätte der Offenbarung. Nicht das Tun selbst schafft Bedeutung – sondern die stille Öffnung, in der Sein sich zeigt.