„Verrücktheit ist die Antwort des Daseins auf den Irrsinn der Normalität.“
Es gibt einen Punkt, an dem das scheinbar Normale selbst wahnsinnig wird – aber niemand merkt es, weil es überall geschieht. Der Takt der Welt bleibt regelmäßig, die Konventionen geordnet, das Lächeln angepasst. Doch unter der Oberfläche: ein leiser Schrei.
Wenn das Dasein spürt, dass es sich in eine Welt fügen soll, die keine Resonanz mehr bietet – stumm, glatt, funktional –, beginnt es sich zu winden. Die Verrücktheit ist dann kein Fehler, sondern ein Fluchtversuch. Ein verzweifelter Versuch des Eigenen, sich nicht ganz zu verlieren im ständigen Sich-Verlieren-an-das-Man.
In der Sprache Heideggers könnte man sagen: Das Dasein, das nicht mehr „eigentlich“ sein darf, ver-rückt sich – es weicht ab von der Ordnung, weil die Ordnung selbst zur Unordnung geworden ist. Es rückt aus seiner gewohnten Stelle heraus, um überhaupt noch zu spüren, dass es ist.
Manche nennen das Krankheit. Andere nennen es Störung.
Vielleicht aber ist es eine Form von Wahrheit.
Denn was, wenn das Verstummen im Irrsinn der Normalität das eigentlich Kranke ist – und nicht der Riss, der sich plötzlich auftut?
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„Die Normalität hat ein Gedächtnis wie ein Betonfundament: Sie vergisst alles, was nicht in sie passt.“
— Spiegelfragment 26